GOTT IST EIN DJ

von Falk Richter

mit
Jürgen Beck-Rebholz
Bettina Kaminski


Inszenierung:
Reinhard Hinzpeter

Ausstattung:
Tatjana Ivschina-Arakeljan

Licht:
Alex Lange

"GOTT IST EIN DJ" ist kein Theaterstück im üblichen Sinne. Es ist Talk, Performance, Party, Show, Comedy, ist TV live und total. Ein Projekt über die Faszination durch die Medien, die Aufhebung der Grenzen zwischen Sein und Schein, Kunst und Wirklichkeit, Star und Mensch wie Du und ich.

Ein junges Paar - beide schon erfolgreich im Mediengeschäft, SIE als VJ und Alleinunterhalterin, ER als DJ und Sound-Texter - leben ihr Leben vor ständig laufenden Kameras: Per Internet kann man ständig an ihrem Leben teilhaben, sie beobachten, wie sie schlafen, kochen, essen, Bücher lesen, Musik hören, miteinander streiten, zärtlich sind. Ihre Wohnung ist in der Kunsthalle ausgestellt als Kunstobjekt. Und sie produzieren jeden Tag Videos über ihr Leben miteinander: cineastisch gestaltete Dokumentationen, Großaufnahmen, Zerrbilder, poetische Verdichtungen ihres Alltags. Filme, die sie an die Kunsthalle verkaufen. Und dreimal im Monat können Zuschauer ihnen live zusehen, wie sie aus ihrem Alltag Kunst machen.

Sie selbst, ihre Gedanken, ihre Sinne, ihre Gefühle, ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart, ihre Eltern, ihre Freunde, Räume, Häuser, Straßen, Tiere, Landschaften, die ganze Welt - sind ihnen Material für Film, Musik, Kunst. Für Wirkung, für Selbstdarstellung, Selbstprofilierung, Selbstvermarktung. Ihr eigenes Leben verwandelt sich in Spiel. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind aufgehoben. Es gibt keine Wahrheit mehr.

PRESSESTIMMEN: "Die beiden sind Gefangene ihrer gestörten Kommunikation, die Paul Watzlawick als "Spiel ohne Ende" bezeichnet hat. Sie können die Endlosschleife ohne Hilfe nicht verlassen. Daß da noch etwas ist oder sein könnte in jenen gefühllosen Borderline-Persönlichkeiten lassen die beiden exzellenten Schauspieler durchblitzen, etwa wenn sie eine Spur zu cool von "Postcoolness" sprechen. Dabei erliegt Jürgen Beck-Rebholz in keiner Sekunde der Versuchung, der Exaltiertheit und Abgedrehtheit von Bettina Kaminski Paroli bieten zu wollen. Er besticht durch einen leisen Snobismus. Und wenn er gelegentlich ins Ruhrpott-Idiom verfällt, schimmert durch, daß sein aufgesetztes Bildungsgeschwätz ein oberflächliches Sampling aus intelligenzheischenden Gemeinplätzen ist. Regisseur Reinhard Hinzpeter hat Richters "Gott ist ein DJ" durch geschickte Weglassungen ideal gestrafft. Dadurch läßt das atemberaubende Tempo, das die Produktion braucht, nie nach. Das Wechselbad zwischen Ironie und vermeintlicher Ernsthaftigkeit läßt er seine beiden Protagonisten so virtuos spielen, daß der schlimmste Feind des Theaters, die Langeweile, an diesem herausragenden, blitzgescheiten Abend keine Chance hat." FAZ

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