ES HAT EIN KUSS MIR LEBEN EINGEHAUCHT

Lyrik und Prosa von Karoline von Günderrode
mit Bettina Kaminski


„Ich habe keinen Sinn für weibliche Tugenden, für
Weiberglückseligkeit“, bekannte sie schon mit einundzwanzig Jahren.
„Nur das Wilde, Große, Glänzende gefällt mir. Es ist ein unseliges,
aber unverbesserliches Mißverhältnis in meiner Seele; und es wird
und muß so bleiben, denn ich bin ein Weib und habe Begierden
wie ein Mann, ohne Männerkraft.
Darum bin ich so wechselnd und uneins mit mir.“

Die ungewöhnliche Erscheinung der Stiftsdame und Poetin war schon den Zeitgenossen ein Rätsel. Auch ihre Poesie schreckte in ihrer Bedingungslosigkeit viele Leser ab. Karolines Dichtung erschien „etwas zu kühn und männlich“, wie die Vorsteherin eines Heidelberger Mädchenpensionats urteilte. Man zweifelte an ihrer Weiblichkeit. Denn Karoline von Günderrode widersprach den Vorstellungen der damaligen Zeit, wie eine Frau sich zu verhalten – und wie sie zu dichten habe.

Begleitend zu unserer Produktion KEIN ORT. NIRGENDS möchten wir Ihnen einen Einblick geben in das literarische Schaffen dieser weitgehend unbekannten Frankfurter Dichterin, der engen Freundin Bettina von Arnims. Wer war diese Frau, die unter den Pseudonymen Tian oder Ion veröffentlichte, die sich für die Ideale der französischen Revolution begeisterte, die sich im Alter von 26 Jahren in Winkel am Rhein das Leben nahm.

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