KAMPF DES NEGERS UND DER HUNDE

von Bernard-Marie Koltès


mit
Jürgen Beck-Rebholz
Axel Gottschick
Bettina Kaminski
Ronald Mkwanazi

Inszenierung: Reinhard Hinzpeter
Ausstattung: Gerd Friedrich
Bühnenmusik: Oliver Augst
Licht: Oskar Bosman

"KAMPF DES NEGERS UND DER HUNDE" beginnt wie ein gewöhnlicher Krimi: Auf einer französischen Baustelle irgendwo in Westafrika verschwindet die Leiche eines schwarzen Arbeiters. ALBOURY, ein Verwandter des Toten, fordert von den weißen Chefs die Herausgabe des Leichnams, um ihn nach der Tradition seines Volkes zu bestatten. Der Bauleiter HORN will den von seinem weißen Mitarbeiter CAL begangenen Mord vertuschen und bietet ALBOURY Geld. Der aber läßt sich nicht abweisen und beharrt auf seiner Forderung. LÉONE, HORNs gerade aus Paris angereiste Verlobte, wird zum Streitobjekt zwischen den beiden weißen Männern. CAL will sie sich mit Gewalt gefügig machen. Zum ersten Mal in Afrika, sucht LEONE sehnsuchtsvoll nach der Ruhe und Kraft der fremden Kultur. Leidenschaftlich nähert sie sich ALBOURY, der sie von sich stößt. Er will nichts mit den Weißen zu tun haben. Der vielschichtige Konflikt zwischen den vier Figuren, vier Psychogrammen von Ausgestoßenen, entfesselt einen erbitterten Kampf jeder gegen jeden: Angst, Gier, Hass, Betrug, Bestechung, Verrat, Mord.

Vorbei sind die Zeiten der Kolonisation. Afrika ist frei. Aber wir Europäer hören nicht auf, den Kontinent auszubeuten und die gewachsenen Lebenszusammenhänge zu zerstören. Unter dem Vorwand, das Elend zu bekämpfen und den armen Wilden zu einem menschenwürdigeren Dasein zu verhelfen, machen wir Weiße mit den Schwarzen Geschäfte, von denen vor allem Weiße profitieren, und wir sind tief enttäuscht und empört, wenn diese undankbaren Schwarzen uns eines Tages vor die Füße spucken und auf ihrer eigenen Sicht der Dinge bestehen.

Mit Afrika und Europa stoßen zwei Weltsichten, zwei Lebenshaltungen, zwei Kulturen aufeinander. Koltès beschreibt, wie die verschiedenen Menschen mit diesem Aufeinanderprallen umgehen. Wie für den einen diese andere Kultur das Faszinierende, das Abenteuer, die Bereicherung, der Fortschritt oder gar das eigentliche Leben sein kann, wie für den zweiten die andere Kultur das Fremde ist, das er nicht begreifen kann, das ihm immer bedrohlich bleibt, unberechenbar, heimtückisch, böse.

"Die Zeit geht anders an diesem fremden Ort. Langsamer. Um zu verstehen, was vor sich geht, muß der Zuschauer sich ebenso verlangsamen, sonst verfliegt der Bann des Dramas. Vier einsame Gestalten leben an dem fremden Ort, der Afrika sein soll, in der von fremden Geräuschen zerrissenen Nacht, abgetrennt von der Außenwelt durch Zäune und Wachtposten. Vier Figuren, die das Eingesperrtsein dazu bringt, ihr Innerstes nach außen zu kehren. Und die sich dennoch kaum nahekommen. Einer von ihnen ist schwarz. An ihm reiben sich die anderen drei auf, jeder auf seine Weise. ... Regisseur Reinhard Hinzpeter setzt den Fokus auf die Seelenkämpfe der vier sich begegnenden Figuren und inszeniert ein dramatisches Kammerspiel, in dem es weniger um Afrika, Ausbeutung und Rassismus geht, als das um politische Korrektheit bemühte Programmheft es zunächst erwarten läßt. Dort ist gar der Titel des Stücks mit einem programmatisch dicken Kreuz über dem Wort "Neger" in "Kampf des Schwarzen und der Hunde" geändert worden. Auf der karg ausgestatteten Bühne (Gerd Friedrich) jedoch, unter den beunruhigenden Geräuschen und Musikfetzen (Oliver Augst) entblößen sich die Seelen, während der Krimi konsequent weitergeführt wird. Das wird zuweilen ein wenig langatmig, doch gelingt es den vier Schauspielern, die drängenden inneren Konflikte und die Frage, wer wohl sterben muß, zur Angelegenheit der Zuschauer zu machen." Frankfurter Allgemeine Zeitung

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