LebenFNP FRANKFURTER NEUE PRESSE - Kultur
Printausgabe vom 25.09.2007

IM NAHKAMPF DER GEFÜHLE
Von Astrid Biesemeier

Was ist schlimmer als ein unglückliches Paar in einem Raum? Zwei unglückliche Paare in einem Raum. Ist die Gegnerschaft bei einem Paar eindeutig, so wechseln die Allianzen bei zweien so schnell, wie sich die Fronten verschieben. Ehe, Kindererziehung und Beruf werden zu einem unübersichtlichen Kampfplatz. So auch in "Drei Mal Leben".

Hier sieht der Astrophysiker Henri seit drei Jahren endlich wieder einer wissenschaftlichen Veröffentlichung entgegen. Wohl mit der leisen Hoffnung, auf der Karriereleiter etwas höher zu steigen, hat er seinen Chef und dessen Gattin eingeladen. Doch Henri droht eher noch tiefer zu stolpern. Selbstgefällig setzt der Chef kleine Hiebe - auch gegen die eigene Frau. Und Henris als Juristin im Nahkampf mit Worten äußerst erprobte Frau tritt manchmal noch etwas nach. Drei Mal wird diese Situation durchgespielt. "Drei Mal Leben" ist eine gut gebaute Komödie. Fast wie bei einem Boxkampf blickt das Publikum in Reinhard Hinzpeters Inszenierung von drei Seiten auf die Bühne. Die Kampfzone wird dabei dezent auf das Publikum erweitert: Während auf der Bühne manche Demütigung mit Alkohol heruntergeschluckt wird, laden kleine Tischchen das Publikum ein, Getränke mitzunehmen. Ein Arrangement das wohl auch darauf verweist, dass das Stück gehobene Unterhaltung ist..

Die Herausforderung für Schauspieler besteht bei diesem Stück darin, die im Akt zuvor eingesteckten Demütigungen oder errungenen Phyrrussiege zu vergessen, um frisch in die nächste Runde zu gehen und dann im gleichen Parlando die recht inhaltsleere Konversation zu führen, die manchmal wenig subtilen Grausamkeiten mit anderer Haltung anzunehmen oder zu parieren. Und das gelingt auch bei Hinzpeters Inszenierung, die geschickt mit Wiederholungen und Variationen spielt. Auf, vor und neben weißem Sofa und zwei braunen Sesseln erspielt das Ensemble durch verändertes Schweigen oder Tonfall, andere Blicke oder Körperhaltungen, verschiedene Entwürfe von Menschen. In jedem Akt wird glaubhaft das "So-hätte-es-auch-sein-können" gezeigt.

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