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Kritik vom 27.09.2007

PFLICHTTERMIN
Von Thanassis Nalbantis

Manchmal fallen einem die treffenderen Worte erst viel später ein und man ärgert sich, dass sie nicht zum rechten Zeitpunkt parat waren. Manchmal denkt man, eine kleine Wendung, ein verrückter Gedanke mehr, eine mutige Idee vielleicht, und eine Begegnung, ein Gespräch oder ein Rendezvous hätte eine ganz andere Wendung genommen. Und manchmal denkt man hinterher auch, war die ganze Mühe umsonst? Die Vorbereitung, die Einkäufe vielleicht, die überlegt gewählte Kleidung, die Anstrengung, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen? War das wirklich notwendig oder wäre sowieso alles so gekommen wie es kommen musste?

Das Ensemble des Freien Schauspiels spielt dies in der Frankfurter Kommunikationsfabrik gleich mehrfach durch. Besonders pikant: Bei einem gemütlichen Abend soll es doch eigentlich um die berufliche Zukunft gehen, Henri will Eindruck schinden, um bei der nächsten Beförderung nicht leer auszugehen. Drei Gelegenheiten dazu hat er in dem Stück "Drei Mal Leben" der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza - wie es heißt, die derzeit meistgespielte Dramatikerin der Welt. Dreimal klingelt es an der Wohnungstür und dreimal schrecken Henri und Sonja auf. Denn ganz besonders pikant: Der Besuch hat sich im Datum vertan und kommt einen Abend zu früh. Wie improvisiert man einen Pflichttermin im Hausmantel und mit leerem Kühlschrank? Drei Anläufe unternehmen Henri und Sonja, um die aufmerksamen Gastgeber zu geben, drei Mal mühen sich Hubert und Ines als mehr oder minder manierliche Gäste. Es gelingt einfach nicht.

Für diese drei Versuche lohnt der Aufstieg in den dritten Stock zur Spielstätte des Freien Schauspiels. Inmitten des Lofts steht auf einem mit hellem Teppich bespannten Podest eine Wohnzimmergarnitur aus Sofa, Sesseln und Couchtisch, flankiert an drei Seiten mit der Bestuhlung fürs Publikum. Hautnah also sind die vier Akteure zu beobachten und es ist in der Inszenierung von Reinhard Hinzpeter ein bravouröses Spiel. Hans-Peter Schupp gibt einen selbst im Aufbäumen hoffnungslos verzweifelten Henri. Bettina Kaminski als Sonja spielt mal die kratzige Zicke, mal Weibchen, mal Vamp und hat ungeachtet Hausmantel oder kurzem Schwarzen als Ehefrau doch stets die Hosen an. Der Hubert des Adrian Scherschel transpiriert gönnerhaft den Geist welterklärenden Genies und Michaela Conrad als seine Frau Ines pickt diese ungenierte Genialität mit hausbackener Naivität. Alles muss wohl genauso kommen, dreimal.

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