Eine provozierend
lustvolle Vivisektion des geselligen Beisammenseins von Menschen, die es miteinander gut meinen und gut meinen
mit der Welt.
Zwei befreundete Ärzteehepaare feiern ihr Wiedersehen. Sechs Jahre sind vergangen. Martin und Carol haben auf einer Krankenstation in Afrika gearbeitet. Liz und Frank, die Daheim-gebliebenen, haben Karriere gemacht, ein Haus gebaut und ein Kind bekommen. Der Schampus fließt in Strömen. Man hat sich viel zu erzählen. Zu blödeln, zu sticheln, zu lobhudeln.
Gemeinsam hat man sich um ein afrikanisches Waisenkind gekümmert. Frank und Liz aus der Ferne mit Spenden, Briefen und Geschenken, Martin und Carol mit fast elterlicher Fürsorge vor Ort. Als im Laufe des Abends klar wird, dass Martin und Carol aufgrund der Kriegswirren fluchtartig das Land verlassen mussten, das Kind aber allein zurückgelassen haben, reißen Abgründe auf, entspinnt sich ein Konflikt um Moral und Verantwortung, der immer wieder um eines kreist: das zurückgelassene Waisenkind. Kann die Puppe Peggy Pickit bei der Verständigung helfen?
Roland Schimmelpfennig, Jahrgang 1967, hat als Journalist in Istanbul gearbeitet und war nach dem Regiestudium an der Otto-Falckenberg-Schule und an den Münchner Kammerspielen engagiert. Seit 1996 arbeitet Roland Schimmelpfennig als freier Autor. Er lebt in Berlin. Seine Theaterstücke werden in über 40 Ländern mit großem Erfolg gespielt. Er erhielt zahlreiche Preise: u. a. den Nestroy-Theaterpreis 2009, den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2010, den Preis der Mülheimer Theatertage für sein Stück “Der goldene Drache” 2010.
PRESSESTIMMEN
In Frankfurt ist es das Freie Schauspiel Ensemble, das das starke Schimmelpfennig-Stück, inszeniert von FSE-Chef
Reinhard Hinzpeter, zuerst auf die Bühne bringt, im Titania. …tadelloses Timing … messerscharfe Satire … besser können
es die großen Bühnen bei der Uraufführung in Hamburg und Berlin nicht gemacht haben. aus FRANKFURTER RUNDSCHAU 13-02-2012
…ein spannender Theaterabend…die Figurenführung außerordentlich präzise… . Und wenn sich die Konflikte zwischen
den Paaren, befeuert von reichlich Alkohol, entladen, werden all die Lebenslügen dieses zwischenmenschlichen Elends
offenbar. aus FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 15-02-2012
Theatereucharistie im Frankfurter Titania. Reinhard Hinzpeter bricht in Schimmelpfennigs "Peggy Pickit sieht
das Gesicht Gottes" das Brot - und stellt den Menschen auf die Probe. … Zwischen Würde und Monstrosität des
Menschen spielt eins der schönsten Stücke Roland Schimmelpfennigs. Dramaturgie, Figuren und Stimmung erinnern
stark an Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf". Wie Schimmelpfennig das alte Beiseitesprechen weiterentwickelt,
mal erklärende, mal ätzende Kommentare fallen und einzelne Wortwechsel immer neu durchlaufen lässt, um den letzten
Tropfen Erkenntnis herauszuquetschen, ist virtuos. Die kluge Regie lässt sich das nicht entgehen. aus FRANKFURTER NEUE PRESSE 15-02-2012