Rosmersholm Rosmersholm FRANKFURTER RUNDSCHAU - Feuilleton
Printausgabe vom 14.09.2009

BLUMENKIND BLEIBT SITZEN
von Natalie Soondrum

Drei blassgrüne Bahnen Stoff, die sich zum Publikum hin auffächern, begrenzen den Bühnenraum beim Freien Schauspiel Ensemble. Links und rechts Vasen mit roten Gladiolen, dazwischen vier Stühle, deren hohe Lehnen mit dunklem Leder bezogen sind. Natur (Blumen), Kultur (Stühle) und unser Blick auf beide aus der Zentralperspektive (Stoffbahnen) sind die drei Kategorien, die Reinhard Hinzpeter in seiner Inszenierung von Hendrik Ibsens 1886 geschriebenen "Rosmersholm" beschäftigen und die Gerd Friedrich auf der Bühne sichtbar werden lässt. Hinzpeter will anhand des düsteren Seelendramas ausloten, wie viel Spielraum dem Menschen bleibt. Wie viel freier Wille nötig und auch möglich ist, um gesellschaftliche Determinierung und seelische Prägung hinter sich zu lassen und einen neuen Start zu wagen.

Zunächst scheint alles idyllisch: Rebekka West (Bettina Kaminski) steht für die Überwindung der engen Grenzen sozialer Zugehörigkeit. Rote Blumen, die als Stickerei ihre Hosenbeine umranken, bringen sie in Zusammenhang mit der Vitalität der Natur. Kulturmensch Rosmer (Stefan Maaß in gedeckten Farben) sagt immer wieder: "Setzen wir uns", nimmt aber nicht auf, sondern vor oder neben den Stühlen auf dem Boden Platz. Hinzpeter selbst tritt als Rosmers Lehrer Brendel auf, ein Mensch, der seinen Idealen gefolgt ist, bis das Leben sie abgenutzt hat.

Rosmer und Rebekka diskutieren ihre Lebensentwürfe - wie man zu sich selbst kommt, sich befreit. Wenn ihre Vergangenheit sie einholt, in der Person des konservativen Rektors Kroll (Jürgen Beck-Rebholz), prallen sie wie Kugeln beim Flipper an den Trümmern ihrer Vergangenheit ab und werden so wieder in die Schranken ihrer Herkunft verweisen.

Am Ende sitzt Rebekka auf ihrem Koffer, zur Abreise bereit. Ihre anfängliche Vitalität hätte sie an ihr Ziel gebracht, doch sie will nicht mehr ankommen, weil sie sich auf dem Weg dorthin verändert hat. Ein starkes Stück.

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