SzenenFNPFRANKFURTER NEUE PRESSE - Kultur
Printausgabe vom 17.09.2008

ZWEI SEELEN SIND SICH FREMD
Von Joachim Schreiner

Nein, sie schenken sich nichts. Brüllen sich kalt an, versöhnen sich kurz wieder, um nur noch heftiger aneinander zu geraten. Hinzpeter, Intendant und Regisseur des Freien Schauspiel Ensembles, hat sich bei seiner Fassung des Filmstoffs eng an das Drehbuch Bergmans gehalten und die sechs Film- auf drei Theaterstunden zusammengepresst.

Die reichen auch aus, denn die Intensität und Emphase, mit der Bettina Kaminski die 35-jährige Rechtsanwältin Marianne verkörpert, ist famos. Mal heult sie hilflos im Morgenrock, mal stiert sie mit leeren Augen im Jogginganzug vor sich hin, dann wieder scheint kurz die Hoffnung zu wachsen, dass ihre Ehe mit dem 42-jährigen Naturwissenschaftler Johan, mit dem sie noch ein Kind gezeugt hat, zu retten sei. Doch wird diese schnell zunichte. Jürgen Beck-Rebholz verkörpert Johan als anfangs kühlen Lebemann, verleiht der Figur aber mit zunehmender Aufführungsdauer einen spröden Charme - schließlich hat er die sehr junge Studentin Paula kennengelernt, mit der er, müde von jahrelanger Gewohnheits-Ehe und ewigem Gezetere, einen längeren Urlaub in Paris plant. Diese Geliebte ist hier ebenso wenig präsent wie die beiden Kinder des Noch-Ehepaars, von denen immer wieder die Rede ist.

Hinzpeter lenkt den Blick auf die beiden Figuren, die auf der Großraum- bühne in der Frankfurter Schmidtstraße mal im Bett liegen, mal auf einer Sitzgruppe sich räkeln oder an der Stehbar Kaffee oder Saft trinken. Ist auch dringend notwendig, denn die Textmengen sind bei einem dreistündigen Dauerdialog mit nur einer Pause immens. Ausstatter Gerd Friedrich hat ein paar im Design an Ikea erinnernde Möbel aufgestellt, die im zartrosa Farbton daherkommen.

Diese "Szenen einer Ehe" im Theater kommen als subtil inszeniertes Kammerspiel daher, das zwei Menschen in Grenzsituationen zeigt, die ihre beklemmende Seelenverfassung mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher gegeneinander ausspielen.

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