DER THEATERMACHER FRANKFURTER NEUE PRESSE
von Marcus Hladek
In Utzbach hat der Stumpfsinn seinen Wohnsitz

Axel Siefer ätzt als Thomas Bernhards "Theatermacher" beim Freien Schauspiel-Ensemble Frankfurt eindrucksvoll über die Welt als Bühne.

Er stöhnt über die absolute Kulturlosigkeit und darüber, dass es eine Katastrophe sei, mit Frauen Theater zu machen. Die Worte "stumpfsinnig" und "abgeschmackt" benutzt er geradezu inflationär, während er monologisiert, räsonniert, sich ereifert und leidet. Er zetert über seine "talentlose" Tochter und seinen "debilen" Sohn, presst mehrmals ein verächtliches "Utzbach" hervor. Es ist der von Thomas Bernhard mit "Der Theatermacher" beschriebene Staatsschauspieler und Autor Bruscon, der hier zwischen Größenwahn und Weltekel schwankt, über die Menschen ätzt und an der Welt leidet. Ein ungnädiges Schicksal hat ihn, der sich in einer Reihe mit Voltaire und Shakespeare nennt, in die Provinz verschlagen.

Ob dieser Bruscon, gespielt von Axel Siefer, tatsächlich in Utzbach seinen Weltekel ausspeit, ist nicht ganz klar. Vielleicht ist Utzbach nur noch Metapher oder schlimme Erinnerung. In Reinhard Hinzpeters Inszenierung steht von Anfang an ein Bett im Bühnengrund, Bruscons Familie ist gestrichen und aus dem Monolog ein Fast-Monolog geworden. Theaterzeichen-Interpretierer ahnen schnell: Bruscon wird im Bett landen und sich als Patient aus Krankenhaus oder Anstalt entpuppen - das ist so sicher wie die Fritattensuppe im "Theatermacher". Und so fantasiert und deliriert Siefer alle Gespräche Bruscons mit seiner Familie. Hinzpeter erklärt kurzum alle Hybris, alles Leiden am Leben mit Krankheit oder Wahn. Das nimmt mancher Verzweiflung Bruscons die Schärfe und versöhnt ungut mit seinem Größenwahn. Es schmälert jedoch nicht Siefers eindrucksvolle schauspielerische Leistung.

Bruscon hätte diesen "Theatermacher" möglicherweise "abgeschmackt" gefunden. Wir finden ihn lediglich etwas harmlos, haben aber dank Axel Siefer und Thomas Bernhard einige Male sehr gelacht.

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