DER THEATERMACHER journal frankfurt // Printausgabe
Vom Weltschmerz zum Wahnsinn

In Utzbach gibt es überhaupt nur einen Lichtblick, und das ist die Frittatensuppe. Meint der Theatermacher Bruscon, den es mit seiner Kunst in die hoffnungslose Provinz verschlagen hat. Und wenn der Feuerwehrhauptmann nicht endlich genehmigt, das Notlicht auszuschalten, dann wird er sie dort ohnehin nicht inszenieren, seine Komödie der Komödien, sein Menschheitsepos mit dem bescheidenen Titel „Das Rad der Geschichte“.

Thomas Bernhards Protagonist Bruscon (Axel Siefer) ist das Klischee der egozentrischen Künstlerfigur mit Weltschmerz. Regisseur Reinhard Hinzpeter inszeniert kunstvoll die Existenz zwischen Genie und Gescheitertem: Er räumt seinem Theatermacher sämtliche von Bernhard vorgesehenen Nebenrollen aus dem Weg und stellt ihm nur einen kaugummikauenden Anzugträger (Thomas Schrage) zur Seite, der die Predigt zumeist unbeteiligt überhört. Stoisch wischt er den Bühnenboden in der Schmidtstraße im Arbeitslicht, während Bruscon den kargen Theaterraum kritisch durchmisst und ihn so zum verachteten Spielort in Utzbach macht – ein gelungener Verweis auf das Spiel im Spiel.

Im Verlauf der vier Akte dann verkehren sich die Hierarchien subtil. Durch geschickte Lichtregie schrumpft der weite Theaterraum mehr und mehr auf Krankenzimmergröße, es leuchtet ein klinisch weißes Bett im Spot, der Rest ist schwarze Leere: Der Raum wird zum Spiegel der Innenwelt, der Protagonist in seinem immer enger kreisenden Gedankenkarussell auf sich selbst zurückgeworfen. Bei unvermindertem Fluss der Worte verliert seine Rede an Wirkungsmacht und Realitätsbezug und der schweigende Diener wird endgültig Herr über ihn, wenn er ihm nachsichtig das Nachtkleid überstülpt. Entmündigt ist sein Spiel, verrückt die Welt.

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