nach dem gleichnamigen Roman mit Inszenierung: Reinhard Hinzpeter
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Zwei Frauen, zwei Männer wollen die Utopie. Sie schaffen sich auf einem Schloß den idealen Lebensraum. Sie achten und lieben einander. Sie wohnen zusammen, sie arbeiten zusammen. Aber eines Tages bricht die Macht der Leidenschaft wie ein Sturmgewitter über die sorgsam gehütete Idylle herein, stiftet heillose Verwirrung, und selbst Opfer und Verzicht, Einsehen und Verzeihen können das Gleichgewicht nicht wiederherstellen.
Gerade heute gewinnt dieser alte Roman eine neue Brisanz. Seine Figuren, seine Menschen, die leidenschaftlich und mit dem Einsatz ihres Lebens darum ringen, für die Widersprüche in ihren Gefühlen eine Lösung zu finden, faszinieren uns, weil wir uns gewöhnt haben, ohne Lösung zu leben. Indem wir sie begreifen, lernen wir das Ungelebte oder Halbgelebte in uns selbst zu sehen und zu begreifen.
Entsprechend haben wir auch die Form unserer Dramatisierung des Textes gewählt. Das reiche Personal des Romans wird auf die vier Liebenden begrenzt. Jeder der vier erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive, mit seiner Wirklichkeitswahrnehmung, seinen Gefühlen, Gedanken, seinem Interesse, seiner Wertung. Die Erzählungen wechseln einander ab, laufen nebeneinander her, vereinigen sich, überschneiden sich, intensivieren oder kontrakarieren sich, gehen über in Szenen, in Gedichte, Lieder, Träume - und bleiben doch Fragment.
PRESSESTIMMEN:
"Der Roman entfaltet diesen Konflikt zwischen individuellem Glücksanspruch und sozialen Geboten bei weitem personenreicher und komplexer, aber Reinhard Hinzpeter kappt die Um- und Seitenwege und beläßt es bei diesem Kern der Handlung. Doch kein Verlust ist zu beklagen, im Gegenteil, so wenig der Roman konstruiert wirkt, so wenig wirkt auf der Bühne etwas eilig hingebogen oder verkürzt. Der Spielweise verdanken wir das zum einen; sie bewegt sich, fein austariert, zwischen zusammenfassendem Bericht, Stilisierung und szenischer Vergegenwärtigung. Zum anderen verdanken wir es den Darstellern, die mit nie nachlassender Intensität auch in den erzählenden Passagen immer "da" sind und es verstehen, Zeit zu verdichten; die Monate und Jahre des Zusammenlebens werden gleichsam am Horizont sichtbar. Die Aufführung hat, ohne lang zu sein, einen wunderbar langen Atem. ... In den "Wahlverwandtschaften" glückt die Balance zwischen Abstraktion und Emotion, zwischen Unmittelbarkeit und Distanz. Nichts kommt zu kurz, weder die Reflexion noch die Theaterlust, noch das Sprachkunstwerk, das der Roman zuallererst ist und das die Darsteller uns trotz der 250-jährigen Fremdheiten darin auf die natürlichste und entspannteste Weise zu Gehör bringen. Was für ein erstaunlicher Abend!" Jutta Baier, Strandgut